Antifa-Abend | “Wir sind hingefahren, WEIL die Boote da sind”

Kapitän Dariush über Seenotrettung, erlebte Kriminalisierung und gelebte Solidarität

“Die Menschen haben die Wahl zwischen Tod und Tod – nur, dass in einem Fall manchmal jemand vorbeikommt, um sie zu retten.“
In vielen solcher Fälle war es die “Iuventa” mit dem gebürtigen Hamburger Binnenschiffer Dariush an Bord – zeitweise als zweiter Steuermann, später als Kapitän – die vorbeigekommen ist.

Vor seiner Festsetzung durch italienische Behörden im August 2017 konnte das Schiff der NGO “Jugend rettet” über 14 000 Menschen vor dem Ertrinken im Mittelmeer retten. Der umgebaute Fischkutter, der tausende Menschen geborgen hatte, wurde mit Verweis auf “Präventionszwecke” beschlagnahmt.

Die italienische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Dariush, neun weitere Besatzungsmitglieder und Unterstützer*innen wegen Beihilfe zur illegalen Migration.

Kapitän Dariush wird uns an diesem Abend einen unverstellten Einblick in die Realität der Seenotrettung geben, über persönliche Erlebnisse und Beobachtungen auf seinen zahlreichen Rettungseinsätzen sprechen und uns schildern, welche ungeheuerlichen Blüten die anhaltende repressive EU-Abschottungspolitik treibt. Dariush hat erlebt, wie sich die Kriminalisierung von Engagement ganz konkret auf die Bedingungen der Seenotrettung vor Ort auswirkt.

Er berichtet aber auch vom solidarischen Zusammenhalt all der Menschen und Initiativen, die sich in ihrem praktischen Handeln, ihrem steten Bemühen und in ihren alltäglichen Kämpfen durch nichts auf der Welt von ihrer Überzeugung abbringen lassen, dass Menschen in Lebensgefahr geholfen werden muss.

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Zum regelmäßigen Antifa-Abend:

Wir leben in beschissenen Zeiten. 2018 setzte sich der globale Rechtsruck ungebremst fort. In Brasilien wird mit Jair Bolsonaro ein ausgemachter Faschist und Frauenfeind zum Präsidenten gewählt. In Österreich führt die rechtskonservative Regierung die 60-Stunden-Woche ein und forciert den Sozialabbau. In D-Land erweist sich das rassistische Klima als permanente Bedrohung für Menschen, die als „nicht-deutsch“ wahrgenommen werden. Die Hetzjagden auf Migrant_innen und Geflüchtete in Chemnitz im Sommer 2018 verdeutlichten einmal mehr, welch lebensbedrohliche Gefahr von der alltäglichen Hetze durch AfD, Neue Rechte und Neonazis ausgeht. Auch in Hamburg etablierte sich mit den monatlichen „Merkel-muss-weg“-Demos eine Kundgebung für menschenverachtende Propaganda. Die Aussichten für 2019 sind nicht besser, antifaschistische Interventionen notwendiger denn je. Mit dem Antifa-Abend im Viertelzimmer wollen wir dem aktuellen Rechtstrend auf theoretischer und praktischer Ebene etwas entgegensetzen.

Wir möchten in Hamburg-Mitte eine Plattform für politischen Input, Diskussion, Austausch und Vernetzung bieten. Kommt vorbei, egal welches Vorwissen ihr habt! Jeden letzten Mittwoch im Monat.

(Textstand Januar 2019)

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